Februar 2003

Die Sanierung der Glems jetzt anpacken und nicht auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben 

von Eberhard Schmalzried 

Die Glems ist unter der Gebersheimer Straße bei der Abbiegung zum ALDI verdolt und in ein enges Rohr eingezwängt. Dadurch sind der Oberlauf und der Unterlauf des Flusses von einander abgeschnitten. Ein Austausch der beiden Lebensbereiche kann nicht stattfinden. 

Die Isolierung der Fische, Amphibien und anderer Kleinlebewesen führt dazu, dass die Anzahl der Arten abnimmt und die Individuen mit der Zeit weniger widerstandsfähig und lebensfähig werden. Deshalb fordern Umweltschützer seit Jahren, dass der Flusslauf geöffnet und so hell wie möglich werden soll. 

Schon im Glems-Sanierungsprogramm vom Jahr 1989 wird gefordert, die Glems sei "so auszubilden, dass Kleinlebewesen und Fische artenreich siedeln können". Im Jahr 1990 schrieb der Gutachter Dr. Lottausch der Stadt ins Gewissen: "Die Verdolung der Glems in der Gartenstadt ist eine lebensfeindliche Barriere, da können sich keine stabilen Lebensgemeinschaften aufbauen". Er stufte die Situation unter der Gebersheimer Straße als "extrem problematisch" ein und forderte, dass dort die Glems ganz offen gelegt werden muss und nur die Straße selbst durch ein großdimensioniertes Rohr unterquert werden darf. 

GABL-Stadtrat Dieter Schmidt dazu im Technischen Ausschuss: "Wenn wir das nicht machen, geben wir zu, wie unwichtig uns die Glems letzten Endes ist...". Auch die damalige Leiterin der Geschäftsstelle Umweltschutz, Inge Horn, lobte die Anregungen von Dr. Lottausch und hatte an seinen Vorschlägen "rein gar nichts auszusetzen" (LKZ, 06.07.1990). 

Doch an der Gebersheimer Straße ist bis heute so gut wie nichts passiert. Nach wie vor ist die Glems dort auf viele Meter lebensfeindlich verdolt. Zwar lagen schon verschiedene Finanzierungsmodelle auf dem Tisch, etwa als Ausgleichsmaßnahme für die Riedwiesen oder den Ostanschluss, doch diese Mittel sind dann irgendwo in den unergründlichen Tiefen des städtischen Haushalts versickert. 

Jetzt ist eine neue Situation entstanden: Das Rohr unter der Gebersheimer Straße ist baufällig geworden und droht bei starker Belastung einzubrechen. Darauf hat der Gemeinderat beschlossen, eine halbe Million €uro zu investieren, damit aber nur das Rohr zu sanieren. Die Verwaltung nennt dies «ökologische Verbesserung der Glems» - ein glatter Etikettenschwindel, denn es wird ja nicht die Glems verbessert, sondern allein die Straße, die über die Glems führt. 

Wir von der GABL meinen: Wenn schon Geld ausgeben, dann für die richtige Maßnahme. Der Zeitpunkt ist gekommen, um die Glems an dieser Stelle nachhaltig zu verbessern und zu sanieren. Eine halbe Million allein für den Ausbau der Straße aufzuwenden ist auch und gerade in Zeiten schmaler Kassen nicht zu verantworten. - Die Stadt sollte es sich deshalb noch einmal reiflich überlegen, ob sie den Beschluss der Gemeinderats vom 28. Januar zeitnah umsetzen will.

 

veröffentlicht in der GABL-Postille vom Februar 2003

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