März 2003

Leonberg am Scheideweg: Soll die Stadt künftig mehr im Inneren wachsen oder eher nach Außen?

von Bernd Murschel und Eberhard Schmalzried

Anders gefragt: Wollen wir das Innere der Stadt lebenswert und freundlich gestalten oder ist uns ein Wachstum im Außenbereich, also auf der grünen Wiese wichtiger? Oder: Wollen wir bei der künftigen Stadtentwicklung mehr Qualität oder mehr Quantität? 

Neulich prallten im Gemeinderat zwei verschiedene Denkrichtungen aufeinander. Bei der Diskussion um die Prioritäten in der Stadtentwicklungsplanung (STEP) ging der Streit zwar nur um die Wörtchen "vor" bzw. "und", also um die Formulierung "Innenentwicklung vor Außenentwicklung" oder "Innenentwicklung und Außenentwicklung". In Wirklichkeit verbarg sich dahinter aber ein grundlegender ideologischer Dissens innerhalb des Gremiums. 

"Innenentwicklung vor Außenentwicklung" beschreibt eine Konzentration auf die Ressourcen innerhalb der Stadt, auf Sanierungen von alten Beständen, auf das Schließen von Baulücken und Brachen, auf wertsteigerndes Wachstum im Stadtkern, auf Verbesserungen der Wohn- und Aufenthaltsqualität. Jedoch keinesfalls, dass die erhaltenswerten grünen Innenquartiere in Eltingen bebaut werden sollen. 

Die Vertreter der Formulierung "Innenentwicklung und Außenentwicklung" behaupten zwar, ihr Interesse sei ein gleichmäßiges Wachstums der städtischen Innen- und Außenbereiche. In Wirklichkeit aber wollen sie Masse vor Klasse. Sie setzen auf ein Wachstum des Speckgürtels vor der Stadt; eine weitere Verödung und Verarmung der Innenstadt nehmen sie billigend in Kauf. 

Doch Neubaugebiete im Außenbereich verschlingen nicht nur weiteren wertvollen Boden, sondern sie sind auch teuer. Erschließungstrassen, Strom, Wasser und Kanalisation, kosten ein Vielfaches gegenüber dem Bauen im Bestand. 

Wir von der GABL streben die Entwicklung lebenswerter Innenbereiche an. Wir wollen eine Steigerung der Wohn- und Aufenthaltsqualität innerhalb der Stadt. Draußen vor der Stadt sollen nur noch Abrundungen zugelassen werden. Keinesfalls darf es wieder zu so verhängnisvollen städtebaulichen Situationen kommen, wie sie in den Siebziger Jahren entstanden sind mit dem Ergebnis: Innen leer und außen fad. 

Es gibt genügend "Baustellen" in der Stadt, für die wir in den nächsten Jahren unsere Energien benötigen. Ein Einwohnerzuwachs ist nicht zu erwarten, in anderen Städten spricht man schon vom gezielten Rückbau. Die demoskopische Entwicklung wird auch an Leonberg nicht vorbei gehen. Gerade deswegen braucht Leonberg ein Profil und muss sie sich zu einer Stadt entwickeln, in der Bürger gerne leben, die familienfreundlich ist und Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Erholung miteinander verbindet. Ein Flächenfraß im Außenbereich verhindert diese Entwicklung. 

Doch wieder einmal setzten sich im Gemeinderat die Bremser durch und erreichten mit ihrer Mehrheit eine Verwässerung des Prinzips "Innen vor Außen".

Wir sind aber überzeugt davon, dass die Bürgerinnen und Bürger, die in der STEP mitarbeiten, verantwortungsvoller und vorausschauender diskutieren werden und der Stadt damit nachhaltige, die Zukunft sichernde Impulse geben können.

Bild: Das evangelische Gemeindehaus in Leonberg-Eltingen, ein gelungenes Sanierungsbeispiel im Innenbereich

 

veröffentlicht in der GABL-Postille vom März 2003

zum Inhaltsverzeichnis der GABL-Postillen