März 2003

Buchbesprechung von Lore Molly, Bücherwurm, Marktplatz 30

Rafik Schami: Mit fremden Augen

Tagebuch über den 11. September, den Palästinakonflikt und die arabische Welt. 2002. 148 S. Gebunden - PALMYRA - ISBN: 3-930378-44-2, 19.90 EUR

Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren, lebt seit 1971 in Deutschland. Von seiner Ausbildung her ist er Doktor der Chemie, aber in Wirklichkeit ist er Geschichtenerzähler in alter orientalischer Tradition. Alle seine Erzählungen, ob romanhaft oder märchenhaft, ziehen die Leser in die eigene innere Welt und erhalten so einen ethischen Wert, ohne erhobenen Zeigefinger. Rafik Schamis Bücher wurden in zweiundzwanzig Sprachen übersetzt. 

Das Buch "Mit fremden Augen" ist ein Tagebuch über den 11. September, den Palästinakonflikt und die arabische Welt. Schami stammt aus einer christlichen-aramäischen Minderheit. Er kann seinen Blick von außen und von innen auf die politische Situation des Nahostkonflikts werfen: 

"Ich weiß nicht, warum alle Politiker im Mittelmeerraum, die mit den USA eng zusammenarbeiteten, am Ende gedemütigt wurden. Der Schah von Persien ging wie ein armer, kranker Hund ins Asyl, und die USA standen ihm nicht bei. Auch Saddam Hussein war einmal einer der engsten Verbündeten der USA. Yassir Arafat stirbt bei lebendigem Leib und muss mit ansehen, wie seine Gegner im eigenen Lager Aufwind bekommen... Ich hoffe, die leidenden Völker Afghanistans, die jüngsten Verbündeten der Amerikaner, werden mich in zehn Jahren korrigieren". 

Rafik Schami erweist sich als profunder Kenner der gegenwärtigen Politik und ihrer Strömungen. Außerdem kennt er die Geschichte der beteiligten Völker. Wer sein Buch genau studiert, wird nach einem Flächenbrand nicht sagen können: Das habe ich nicht gewusst. Ein notwendiges Buch!

veröffentlicht in der GABL-Postille vom März 2003

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