Juni 2003

Über die Sanierung der Georgii-Halle und die Blockaden im Kopf von Stadträten 

von Eberhard Schmalzried

Die Georgii-Halle, eine Sporthalle in der Nähe des Leonberger Schulzentrums, ist in die Jahre gekommen und muss saniert werden. Das Problem: Die Halle ist ungefähr doppelt so lang wie breit und entspricht damit nicht den Anforderungen, die an eine Sporthalle gestellt werden. Für den Sportunterricht einer einzigen Klasse ist sie zu groß, wird sie aber der Länge nach geteilt wird, dann entstehen zwei quadratische Räume, die für Ballspiele nicht geeignet sind. 

Nun läge es nahe, die Längswand der Halle um acht Meter zu verschieben und damit zwei Hallen herzustellen, die, geteilt durch einen Trennvorhang, genau den Maßen üblicher Sporthalle entsprechen. Der Gedanke, die Wand der Halle zu verschieben, liegt auch deshalb nahe, weil sie bei der Renovierung ohnehin abgerissen und neu gebaut werden muss. 

Was also hindert Stadtverwaltung und Gemeinderat daran, die neue Wand zu versetzen und mit geringem finanziellem Aufwand zwei Hallen herzustellen? Es ist wieder einmal das fehlende Geld. Die Renovierung der Halle in ihren bisherigen unbefriedigenden Ausmaßen kostet 2,2 Millionen €uro, die Wand zu versetzen würde weitere 0,4 Millionen €uro beanspruchen. Darum entspann sich in den letzten Monaten ein heftiger Streit im Gemeinderat: 

Soll die Stadt mehr als zwei Millionen €uro für die Sanierung einer einzigen, unzulänglichen Halle aufwenden, oder soll sie mit einem vergleichsweise geringen zusätzlichen Mitteln eine Halle bauen, in der Schulen und Vereine auch noch in zwanzig, dreißig Jahren vernünftig Sport treiben können? Wir von der GABL meinen: Mehr als zwei Millionen €uro für die Sanierung einer untauglichen Halle ausgeben ist hinausgeworfenes Geld. Sportlehrer und Elternbeiräte unterstützen uns, aber Verwaltung und Gemeinderat blieben stur. Die alte Halle wird saniert so wie ist, eine Erweiterung kommt nicht in Betracht. Basta! 

Dieser Beschluss fiel Ende Januar 2003. Also wurden die Sanierung ausgeschrieben, Firmen machten Angebote für eine neue Heizung, eine neue Lüftung, für neue elektrische und sanitäre Anlagen. Und dabei stellte sich überraschend heraus, dass die Sanierung wesentlich billiger werden würde, als ursprünglich geplant. Sollte jetzt die Halle vielleicht doch vergrößert werden? Darum ging es in der Sitzung des zuständigen Gemeinderat-Ausschusses am 21. Mai 2003. Weil neue Kenntnisse auch neue Entscheidungen möglich machen, hätte der Gemeinderat seinen Fehler vom Januar ohne Gesichtsverlust ausbessern können. Doch weit gefehlt. Statt die Gelegenheit beim Schopf zu fassen und eine Erweiterung der Halle zu beschließen - dies würde gerade mal einen Mehrbetrag von zehn Prozent der Gesamtkosten erfordern - lehnte der Ausschuss den entsprechenden Antrag der GABL ab. 

Hier ein paar Kostproben der "Gegenargumente": 
Stadtrat Schütt (FWV): Die GABL hat bei der letzten Wahl die Hälfte ihrer Sitze verloren, die soll jetzt ganz leise sein
Stadtrat Mörk (CDU): So wie wir im Januar beschlossen haben, so bleibt's. Wir drehen das Rad nicht zurück
Stadtrat Vestner (CDU): Es ist kein Geld da. Immer neue Forderungen stellen, da machen wir nicht mit. 
Stadträtin Goll (FDP): Die Stadt hat kein Geld, ich bin gegen jede Sanierung. 
Stadtrat von Lieven (SPD): Die GABL hat ja recht, aber da sie im Gemeinderat eh keine Mehrheit findet, lehnen wir den Antrag ab (bei der Abstimmung übte er sich in Enthaltung). 

Jetzt ist die Entscheidung gefallen. Für gut zwei Millionen €uro wird eine untaugliche Halle mit hohem Aufwand saniert. 

Damit hat der Gemeinderat die Chance vergeben, für einen vergleichsweise geringen Mehrbetrag den Sportunterricht an den Leonberger Schulen nachhaltig zu sichern.

veröffentlicht in der GABL-Postille vom Juni  2003

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