Juni 2003

Schwierigkeiten des Erinnerns 

Über den Umgang der Leonberger mit dem KZ nach 1945

"Sicher ging ein Aufatmen durch Leonberg, als Mitte April 1945 bekannt wurde, dass das KZ geräumt sei. Nun war man die Elendsgestalten wieder los, die in einem - je nach Einstellung - Angst, Ekel oder Mitleidsgefühle auslösten. Und mit ihnen verschwanden ihre Bewacher, Fremdkörper in der Stadt wie sie. Das "SS-Arbeitslager", wie das KZ seinerzeit amtlich (beschönigend) genannt wurde, hatte aufgehört zu existieren und ein Problem - so schien es - war aus der Welt. 

Es folgte das Kriegsende, von den einen als Niederlage, den anderen als Befreiung oder nur einfach als Ende der Lebensbedrohung empfunden. Und es folgten die harten, ersten Nachkriegsjahre: Hunger, Wohnungsnot, der Aufbau neuer Existenzen. Inzwischen sind 57 Jahre seit der Auflösung des unseligen Lagers in Leonberg vergangen, doch das Problem ist - wider Erwarten - noch nicht aus der Welt. Tatsächlich wurde es über weite Strecken hinweg verdrängt, vergessen, totgeschwiegen. Aber es gab auch immer wieder Fakten, die eine Beschäftigung mit der Vergangenheit erzwangen. Und es gab und gibt Menschen, die dies aus freien Stücken tun. Welche Spuren die Aufarbeitung des KZ in Leonberg hinterlassen hat und welche Erinnerungskultur sich entwickeln konnte, ist Gegenstand dieser Untersuchung". 

Mit diesen Worten beginnt ein Aufsatz, den Monica Mather und Renate Stäbler vor Kurzem in der Beilage der Kreiszeitung BÖBLINGER BOTE veröffentlicht haben. Die beiden setzen sich darin eingehend mit der Zeit nach 1945 auseinander, mit der "Entsorgung" der Überreste aus dem Lager und der Produktionsstätte im Tunnel, vor allem aber damit, was mit den Toten auf dem Blosenberg passierte, die dort während der KZ-Zeit verscharrt worden waren. Sie untersuchen die Rolle des Gemeinderats und der Kirchen bis in unsere Tage. Sie erinnern an die Besuche ehemaliger Häftlingen an ihrer früheren Leidensstätte und sprechen die Arbeit und die Ziele der KZ-Gedenkstätteninitiative an. 

Wer sich für den Aufsatz von Monica Mather und Renate Stäbler interessiert und ihn selbst lesen möchte, wende sich direkt an die Autorinnen. Ihre Adresse ist Künzenstraße 23 in 71229 Leonberg.

 

veröffentlicht in der GABL-Postille vom Juni  2003

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