Juni 2003

gefunden im Rathaus Höfingen... 

Der Froschkönig

Es lebte einmal ein armer Frosch mit seiner Frau im schönen, feuchten Auenland. Sie hatten 12 Kinder. Als das 13. geboren wurde, erschrak die Frau sehr. Sein erster Ruf war nicht QUAAK, er rief NOI-NOI-NOI und außerdem war er sehr hässlich. Die Frau wollte ihren Sohn dem Mann nicht zeigen und setzte ihn heimlich aus. Zur selben Zeit war aber eine böse Hexe unterwegs, die suchte einen warzigen Frosch für ihren Zaubertrank. Sie fing den Kleinen und warf ihn in den Kessel. Leider hatte sie die Kräuter ein wenig vertauscht und aus dem Kessel stieg ein menschliches Geschöpf, das sogleich aus dem schönen, feuchten Auenland floh. Weithin tönte sein Ruf: noi, noi, noi! Im nahen, bösen Reich von Löwenberg suchte man gerade einen Minister für zwielichtige Aufgaben. Noi-noi ward sogleich eingestellt.

 Nun machte er sich ans Werk. Alle Tümpel wurden zugeschüttet, Sümpfe ausgetrocknet, die Bäche mit Unrat vergiftet. Des Froschkönigs Volk litt große Not. Im bösen Reich von Löwenberg aber füllten sich die Schatzkisten. 

Ein paar wenige Bürger im bösen Reich hörten in lauen Maiennächten die Klagelieder des Froschkönigs. Sie nahmen heimlich Hacken und Schaufeln, gruben Löcher und füllten sie mit klarem Wasser. So vermehrte sich das Volk im Auenland wieder aufs Beste. 

Jetzt drangen aber die Jubelrufe der Frösche auch an das Ohr des bösen Ministers. Ein unbezwingbares Verlangen in den Spiegel zu schauen überkam ihn. Welch grausame Entdeckung! Hinter seinem Ministergesicht erschien sein altes wahres warziges Froschgesicht und erinnerte ihn seiner Abstammung. Die hatte es schon ganz vergessen.

Sogleich ließ er Mauern und Zäune errichten und erließ Gesetze, die seinen ungeliebten Verwandten den Aufenthalt auf allen öffentlichen Plätzen und Straßen bei Todesstrafe verbot. Da diese aber der Schrift nicht kundig waren, übertraten sie das Gesetz und trafen sich zum Liebesspiel weiterhin auf den verbotenen Flächen. Eine grausame Hinrichtungswelle lief an und brachte aufs Neue große Not über des Froschkönigs Volk. 

Die Geschichte wurde dem Verfasser in einer Nacht im Mai des Jahres 2003 am Ufer eines Weihers im Auenland von einer Fee geoffenbart. Über den Aufenthalt der bösen Hexe ist nichts weiter bekannt geworden.

 

veröffentlicht in der GABL-Postille vom Juni  2003

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