Juli /August 2003

Was hat die Georgii-Halle mit PISA zu tun?

 von Jutta Raasch

"Um die vom Bund bereitgestellten Milliarden zur Verwirklichung der Ganztagesschule ist bundesweit von wachen Kommunen schon die Antragswelle angelaufen". Kopfschüttelnd nahm Renate Rastätter die Informationen der GABL-Fraktion über den Umbau der Georgii-Halle zur Kenntnis. "Die Ganztagesschule muss und wird kommen. Wer sich jetzt von dieser Entwicklung abkoppelt, landet auf einem pädagogischem Abstellgleis." 

Mit der Entscheidung des Gemeinderates für eine Schmalspurrenovierung der Georgii-Halle ist praktisch eine Entscheidung gegen die Ganztagschule gefallen. Zu Beginn ihres Referates zeigte die bildungspolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion einen Film über das finnische und schwedische Schulsystem. Beide Länder schnitten bei der PISA-Studie überdurchschnittlich gut ab und das, obwohl es bis zur neunten Klasse keine Zeugnisse gibt, kein Sitzenbleiben und (!) keine Trennung in Gymnasium, Real- und Hauptschule, lauter Dinge, die für Deutschlands traditionelle Bildungspolitiker unverzichtbar sind, um Leistung und Selektion zu gewährleisten. Wie kommt es dann, dass Deutschland so schlecht und die skandinavischen Länder so gut abgeschnitten haben? Diese Län-der legen den Schwerpunkt ihrer Bildungsarbeit auf die vorschulische Erziehung. In diesem Bereich wird mehr investiert als in Deutschland, während die Oberstufe pro Schüler dann weniger ausgeben kann. Die Maxime heißt: "Beschäme nie ein Kind".

Die Rechnung scheint aufzugehen, wenn man die durchweg positiven Äußerungen der OberstufenlehrerInnen hört, das Sich-nicht-Beschämen ist gegenseitig geworden. Davon kann man an deutschen Schulen nur träumen. Der Glaube, dass jedes Kind sein Bestes geben will, ist ein weiterer Motor. Fester Bestandteil ist die Entwicklung einer Selbsteinschätzungsfähigkeit der SchülerInnen sowie individuelle Fördermaßnahmen sowohl für schwächere als auch für hochbegabte SchülerInnnen . Dass all dies nur in einer Ganztageseinrichtung realisiert werden kann, ist selbstverständlich.

Eine "Lerngesellschaft" will das rohstoffarme Finnland werden, denn "Unser Rohstoff liegt zwischen den Ohren". Das haben sie und die Schweden schon geschafft mit fast 70 % SchülerInnen eines Jahrgangs, die studieren. Und wie steht's mit Leonberg? Leonberg wäre Zukunft, wenn… z.B. die Georgii-Halle im Blick auf Zukunft renoviert worden wäre und nicht (stilgerecht) mit Blick auf die 70ger Jahre des letzten Jahrhunderts "Viel Erfolg bei der Überzeugungsarbeit", wünschte Renate Rastätter den Leonberger Zuhörern.

 

 

veröffentlicht in der GABL-Postille vom Juli / August  2003

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