Februar 2004

Ein und dieselbe Nachricht - doch liegen 100 Jahre dazwischen 

Wofür arbeitet das Volk? Für das Wohlbehagen der Satten. Es schuftet, damit andere, denen ein gütigeres Schicksal die Last der Arbeit abnahm, in Luxus schwelgen können. Das nennt die Welt das kapitalistische System. Die großartige "Verfassung" des Staates für das Wohl der Allgemeinheit ist keinen Pfifferling wert. So wenig wie die Phrasen der sozialdemokratischen Führerschaft, die "Arbeiter-Partei" habe das Volk schon aus dem tiefsten Elend emporgehoben.

Es ist verrückt, wie sich die Vermögenden, die Einkommensstarken organisiert haben und auf jene eindreschen, die abhängig beschäftigt, arbeitslos sind oder Sozialhilfe empfangen. Es ist eine so noch nie da gewesene Solidarität der Starken gegen die Schwachen. Diese "Bürgerkonvents" haben eine erhebliche Macht. Sie werten die demokratischen Einrichtungen der Bundesrepublik ab. Demokratische Prozesse sind ihnen lästig, Föderalismus, Bundesrat, Abstimmungen, Diskussionen, das alles dauert ihnen zu lange! Extrem viel Geld stecken sie in Werbekampagnen, sie steuern den politischen und öffentlichen Diskurs im Land - und sie sind im Kanzleramt angesehener als die Abgeordneten, die Repräsentanten unseres Volkes. 

 

 (Erich Mühsam, 1904)  (Moraltheologe Prof. Friedhelm Hengsbach, 2004)

 

 

veröffentlicht in der GABL-Postille vom Februar 2004

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