Februar 2004 

Mariä Lichtmess 

Nach den Vorschriften des Alten Testaments galt die Mutter vierzig Tage nach der Geburt eines Sohnes als unrein. Ab jetzt durfte Joseph also wieder zu Maria unter die Decke schlupfen. 

In unseren Landen war früher an Lichtmess, am 2. Februar, der Wandertag der Mägde, Knechte und Handwerksgesellen. An diesem Tag bekamen sie ihren Lohn ausbezahlt und konnten jetzt den Arbeitgeber wechseln. Es gab eine Woche Urlaub, sie bekamen ihren Eintrag ins Wanderbuch und zogen aus, um sich einen neuen Hof und eine neue Arbeitsstelle zu suchen. Doch erst einmal musste gefastet werden und zwar bis Aschermittwoch, dann erst begann man seinen neuen Dienst. 

Die Arbeit der Bauern konzentrierte sich jetzt wieder mehr nach draußen und in den Stuben konnte man ohne Lampen und Kerzen auskommen. An Zeiten, wo die abendliche Winterbeschäftigung hauptsächlich im Spinnen in der Spinnstube bestand, erinnert der Spruch "Lichtmess - Spinne vergess', bei Tag zur Nacht ess", denn an Lichtmess wurde gewöhnlich das Spinnrad in die Ecke gestellt. So bekannt war der Spruch, dass auch die spöttische Erweiterung von jedermann verstanden wurde: "Lichtmess, reiche Leit bei Tag ess, arme, wenn se was hen". 

Am 2. Februar macht die Sonne einen "Sprung" und die Tage werden von nun an deutlich länger. Eine volkstümliche Weisheit sagt: "Bei Neujahr wächst der Tag einen Hahnenschritt, bei Dreikönig einen Hirschensprung und bei Lichtmess eine ganze Stund".

 

veröffentlicht in der GABL-Postille vom Februar 2004

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