März 2004 

Rutesheim baut, Leonberg zahlt die Zeche

von Eberhard Schmalzried 

Im Januar 2004 beschäftigte sich der Leonberger Gemeinderat mit der von Rutesheim geplanten Umgehungsstraße. Diese soll im weiten Bogen den Ort umfahren und den innerörtlichen Durchgangsverkehr verringern. 

Wir von der GABL gönnen den Rutesheimern die Verkehrsberuhigung. In drei wesentlichen Punkte aber können sich die Pläne für Leonberg zum Nachteil entwickeln. Wir regen deshalb an, den Verlauf der Straße nochmals zu überprüfen und sie in die Leonberger Pläne einzubinden. Die Probleme: 

1. der Umweltaspekt
 Die geplante Straße durchschneidet ein Wasserschutzgebiet oberhalb des Leonberger Teilorts Gebersheim. Beim Bau eines acht Meter tiefen Einschnitts wird die dort vorhandene Lössschicht entfernt. Durch ihre Zerstörung könnte künftig Schmutzwasser der Straße ins Grundwasser gelangen. Bei einem möglichen Unfall mit Gefahrgut wäre Gebersheim unmittelbar gefährdet. 

2. das Verkehrsaufkommen
Es ist zu erwarten, dass mit der neuen Umgehungsstraße der Durchgangsverkehr durch die Leonberger Teilorte Höfingen und Gebersheim drastisch zunimmt. Fachleute sprechen vom drohenden "Ulmer Syndrom". Dies bedeutet, dass Teile des Autobahnverkehrs von Heilbronn nach Karlsruhe die Autobahn in Ditzingen verlassen könnten um über die neue Straße zum Autobahnanschluss bei Perouse zu fahren. 

3. das Geld
Die Rutesheimer Nordumfahrung ist eine Kreisstraße, die der Landkreis Böblingen baut und finanziert. Der Kreis bekommt seine finanziellen Mittel aus der sogenannten Kreisumlage, einer Art Steuer, die er bei den Städten und Gemeinden des Kreises erhebt. Die Stadt Leonberg ist als drittgrößte Kommune des Kreises ordentlich mit in der Pflicht. Sie muss also eine Maßnahme finanzieren, die ihr letztendlich vielleicht sogar schaden kann. 

Bei der Sitzung im Gemeinderat kam es darum auch zu einen handfesten Eklat, als ruchbar wurde, dass der Leonberger Finanzbürgermeister Noë, der in Leonberg nicht müde wird, über die leere Stadtkasse zu klagen, als Chef seiner Fraktion im Böblinger Kreistag dem Bau der Straße zugestimmt hat. Mit hochrotem Kopf saß er vor dem Gremium und stotterte etwas davon, er sei schließlich unabhängig und an keine Weisungen gebunden...

 

veröffentlicht in der GABL-Postille vom März 2004

zum Inhaltsverzeichnis der GABL-Postillen