April 2004 

 Woran erkennt man kinderfreundliche Politik?

"Kinder sind das Wichtigste was wir haben, wir dürfen sie nicht als eine Last betrachten, sondern als Bereicherung und eines der herausragenden Lebensziele".

Raten Sie mal, wer dieses hehre Bekenntnis geäußert hat. Stammt es aus dem Mund einer gestressten Mutter, die nach einem langen Arbeitstag noch zwei Stunden Hausaufgabenbetreuung vor sich hat? Oder von einer Erzieherin, die sich bei dreißig Kindern in der Gruppe kaum noch um die Wünschen und Bedürfnisse einzelner Kinder kümmern kann? Oder von einem Streetworker, der sich um drogenabhängige Jugendliche kümmert, aber keinen Raum hat, in den er sich mit seinen Schützlingen zurückziehen kann?

Sie raten es nicht! Diese - ein wenig holperig formulierte - Beteuerung gab vor kurzem Baden-Württembergs Noch-Ministerpräsident Erwin Teufel im Neuen Schloss von sich anlässlich einer Feierstunde zum diesjährigen Wettbewerb kommunaler Bürgeraktionen. Eben jener Ministerpräsident, der mit seinen sogenannten "Sparmaßnahmen" dafür verantwortlich ist, dass in den Schulen die Klassen überquellen, dass im ganzen Land die Ganztageseinrichtungen für Kinder fehlen, dass an Einrichtungen für Jugendliche gespart wird, dass für Lehr- und Unterrichtsmittel zunehmend die Eltern aufkommen müssen, dass zwar Geld da ist für Autobahnen, Flugplätze, Rennbahnen und Messehallen, aber viel zu wenig etwa für sichere Rad- und Schulwege.

Wir wollen keine verlogenen Lippenbekenntnisse mehr hören, sondern endlich eine bessere, eine gerechtere, eine nachhaltige, eine kinder- und familienfreundliche Politik im Land! fordert - zusammen mit vielen Eltern - Ihr Eberhard Schmalzried

  

 

veröffentlicht in der GABL-Postille vom April 2004

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