April 2004 

 Willi Hoss: "Komm ins Offene, Freund"

Es ist selten, dass das Leben eines Linken in Deutschland eine Erfolgsgeschichte wird. Willi Hoss (1929-2003), Gewerkschafter-Urgestein, ließ sich nicht auf Karrieren festlegen. In Gesprächen mit Peter Kammerer erzählt er von Erfolgen und Misserfolgen bei seinen vielen Werdegängen: als Funktionär der KPD, als Elektroschweißer bei Daimler-Benz und Motor der "plakat"-Gruppe, als Betriebsrat, als Mitbegründer der Grünen. Und als ein Mann im Rentenalter, der im Regenwald des Amazonas in entlegenen Dörfern Brunnen für Trinkwasser bohrte, Solarlampen einführte und den Großkonzern Daimler-Chrysler dazu brachte, Kopfstützen für LKWs aus von Indianern gewonnenen Kokosfasern, nicht aus Plastik anzufertigen. "Dich werden sie auch noch klein kriegen" meinte ein Hinterbänkler, als Willi Hoss 1983 als grüner Abgeordneter in den Bundestag einzog. Das hatten zuvor weder die DKP noch die Betriebsräte der IG Metall geschafft. Die DKP schloss ihn 1970 aus, die IG-Metall 1972. Willi Hoss ist vor einem Jahr, im Februar 2003, gestorben.

"Komm ins Offene, Freund", ein Lesebuch. Ca. 250 Seiten, 19.80 EUR, Paperback, Westfälisches Dampfboot

Willi Hoss (1929-2003), geboren in Holland, aufgewachsen in Oberhausen (Ruhr) und am Niederrhein, Hitlerjunge, Landarbeiter, Kommunist, Parteihochschule, Funktionär der kommunistisch orientierten Friedensbewegung, strafrechtlich verfolgt in der Bundesrepublik, Facharbeiter bei Mercedes, Vertrauensmann, Betriebsrat, Neue Linke-Sozialistisches Büro, Ausschluss erst aus der DKP, dann aus der IG-Metall, Mitbegründer der Partei Die Grünen, Abgeordneter im Bundestag, Entwicklungsarbeit in Brasilien, Austritt aus der Partei Die Grünen. 25 Jahre in der KPD, 22 Jahre bei den Grünen, 27 Jahre im Betrieb, 12 Jahre Entwicklungsarbeit in Brasilien, 8 Jahre Erfahrungen im Bundestag, zwei Ehen, zwei Töchter. Langer Atem.

 

veröffentlicht in der GABL-Postille vom April 2004

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