Juli 2004

Für gentechnikfreie Nahrung 

von Rotraut Schmalzried 

Verschiedene Landwirte haben sich bereit erklärt, auf ihren Betrieben auf gentechnisch veränderte Organismen (GVO) zu verzichten und haben eine Verzichtserklärung unterzeichnet. In Baden-Württemberg gibt es bereits zwei Regionen (in Überlingen und bei Göppingen), zwei weitere in Hohenlohe und in der Region Donau-Riß (Landkreis Biberach) sind in der Gründung. 

Wichtig ist, dass auch Verbraucher beim Einkauf deutlich machen, dass sie auf GVOs in der Nahrung verzichten wollen. Wenn Sie auf dem Wochenmarkt oder direkt beim Bauern einkaufen, machen Sie deutlich, dass Sie gentechnikfreie Ware wünschen. Machen Sie Werbung für die Selbstverpflichtung, das stärkt die Region und unsere Landwirtschaft. Sinnvoll ist eine Selbstverpflichtung nur, wenn möglichst alle Betriebe in einer Region dabei sind. Informieren Sie sich. 

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND (www.faire-nachbarschaft.de) und der Naturschutzbund Deutschland Nabu (www.nabu.de) bieten auf ihren Internetseiten interessante Details und Argument gegen die Gentechnik in der Landwirtschaft. 

Hier das Wichtigste in Kürze: 

1. Gesundheitliche Risiken: 
Die Auswirkungen von GVOs auf die Gesundheit sind nicht geklärt. Es besteht die Gefahr der Entstehung neuer Allergien und von Antibiotika-Resistenzen. 

2. Ökologische Risiken: 
Gentechnisch veränderte Pollen werden mit dem Wind übertragen. Für landwirtschaftliche Betriebe, die darauf verzichten möchten, die evtl. sogar dazu verpflichtet sind (wie ökologisch wirtschaftende Betriebe) kann die unkontrollierte Verbreitung Existenz bedrohend sein. Die veränderten Organismen können außerdem ihre Eigenschaften auf einheimische Wildkräuter übertragen. Die Auswirkungen sind noch nicht erforscht. In den USA hat sich bereits ein Resistenzgen gegen Pflanzenschutzmittel im Raps auf Wildarten übertragen. Es entwickelten sich so genannte Superunkräuter, die nur noch mit speziellen Pflanzenschutzmittelcocktails behandelt werden können. 

3. Landwirtschaft in Entwicklungsländern: 
Gentechnisch veränderte Pflanzen helfen nicht gegen den Hunger in der Welt. Der Hunger ist ein gesellschaftspolitisches Problem, nicht ein technisches. Der Anbau von GVOs in Entwicklungsländern würde die Bauern dort in neue Abhängigkeiten treiben. Für Saatgut müsste Lizenzgebühr bezahlt werden, Pflanzenschutzmittel wären erforderlich, die unbezahlbar sind. 

Grundsätzlich ist also zu sagen: 
Hier läuft ein gigantischer Freilandversuch am Menschen und an der Natur, Risiken sind nicht abzusehen, Vorteile für die Nahrungsmittelerzeuger und die Verbraucher sind nicht erkennbar. 

veröffentlicht in der GABL-Postille vom Juli  2004

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