Juli 2004

Vor siebzig Jahren im KZ Oranienburg ermordet: Erich Mühsam. 

"Sich fügen heißt lügen" Ein Lesebuch - Leben und Werk in Texten und Bildern, 
herausgegeben von Marlies Fritzen 

Erich Mühsam ist hier neu zu entdecken: über ein Lesebuch mit seinen interessantesten Texten und einen Bildband, der Leben und Werk anschaulich dokumentiert.

Der Schriftsteller, Anarchist und Bohemien war ein Querdenker, dessen gedankliche Radikalität und Unmittelbarkeit im poetischen Ausdruck immer wieder provozieren und faszinieren. Mühsam war geprägt vom Hass auf Autoritäten und einer tief empfundenen Verbundenheit mit den sozial Benachteiligten. 

Im Lesebuch sind die wichtigsten Texte aus Mühsams "privater" Lyrik, seinen Streitschriften, der tagespolitischen Satire und seiner Autobiografie zusammengefasst. In einem zweiten Band wird Mühsams Leben und Werk in Briefen und Manuskripten, Plakaten und Karikaturen, Fotografien und Bildern dokumentiert: Die Jahre der Schwabinger Boheme, die Zeit des Ersten Weltkriegs, der Münchner Räterepublik, die Festungshaft in Bayern und die politische Arbeit in der Weimarer Republik, schließlich die Inhaftierung und Ermordung des politisch missliebigen "Revoluzzers". 

Erich Mühsam, geboren 1878 in Berlin, verbrachte Kindheit und Jugend in Lübeck, war ab 1901 freier Schriftsteller und anarchistischer Agitator. 1919 war er Mitglied der Münchner Räterepublik. 1926 gründete er in Berlin die Monatszeitschrift Fanal. Er schrieb Gedichte und Dramen, Rezensionen, Essays und die zeitgeschichtlich bedeutende Autobiografie Unpolitische Erinnerungen. 1933 wurde er von den Nazis verhaftet, in verschiedenen Gefängnissen misshandelt und in der Nacht vom 8. zum 9. Juli 1934 im Konzentrationslager Oranienburg erschlagen. 

"Am stärksten sind zweifellos seine politischen Schriften, darunter eine scharfsinnige Analyse, die "Bismarcks untheoretische Praxis und Marxens unpraktische Theorie" in einer unheiligen Allianz aus Disziplin und Bürokratismus vereint sieht: dem "Bismarxismus". 

Eine Vielzahl dieser Texte werden in einem sorgfältig editierten Lesebuch zugänglich gemacht." Neue Zürcher Zeitung 2 Bände im Schuber, Pappband mit Schutzumschlag, zusammen 440 Seiten - ISBN: 3-88243-886-X Preis bei der Büchergilde (www.buechergilde.de) 36 €uro, im Original-Verlag STEIDL: 45 €uro.

  


Der Knechtschaft und dem Unrecht: Faust und Fuß; 
Der Not: das Auge und die offne Hand; 
Der Freiheit: Herz und Stimme und Verstand! 

Erich Mühsam 

 

veröffentlicht in der GABL-Postille vom Juli  2004

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