Oktober 2004 

Buchbesprechung von Lore Molly: Juli Zeh "Spieltrieb" (Verlag Schöffling, 24.90 €)

Auch in ihrem zweiten Roman geht es Juli Zeh nicht nur darum, eine Geschichte zu schreiben. Mit Spannung verfolgt man als Leserin oder Leser die Annäherung einer Schülerin an einen Schüler, die in einem Bonner Gymnasium in eine seltsame Abhängigkeit zueinander verfallen. Beide sind sehr intelligent. Ihre Verbindung führt sie - so scheint es - fast zwangsläufig zu Handlungen, die immer grausamer werden, ja unmoralisch. 

Ihr Opfer ist ein Lehrer. Sie erpressen ihn und verwickeln sich mehr und mehr in eine Welt, in der Gut und Böse verschwimmen. "Welche Werte tragen noch", fragt man sich beim Fortgang des Romans. Der Terror entwickelt sich subtil weiter. 

Mit psychologischem Feigefühl entwirft Juli Zeh ein Bild, das der heutigen Zeit nicht mehr fremd ist und uns aufrütteln sollte. Ihre Sprache ist die eines scharf beobachtenden Menschen. Sie gilt als eine der größten literarischen Entdeckungen der letzten Jahre. Ihre detailgenaue Sprache, die sie mit Witz, Humor und Spannung zu würzen versteht, wurde in verschiedenen Rezensionen mit der Literatur Robert Musils verglichen.

 

 

veröffentlicht in der GABL-Postille vom Oktober 2004

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