November 2004

Erinnerung an Albert Dulk

Albert Friedrich Benno Dulk, geboren am 17. Juni 1819 in Königsberg, war ein deutscher Freidenker, Dramatiker, Revolutionär, Lebemann, Zuchthäusler, Sozialist, Schriftsteller. Er war Mitglied der Arbeiterbewegung und der einzige Akademiker in der Stuttgarter Sozialdemokratie.

Nach der Schulzeit war er Apothekergehilfe, danach begann er ein Chemiestudium, das er 1846 in Breslau mit einer Dissertation abschloss. Ab Januar 1850 lebte er ein halbes Jahr in Ägypten, davon drei Monate in einer Wüsteneinsiedelei im Sinai. 1858 zog er nach Stuttgart, 1865 nahm er die württembergische Staatsbürgerschaft an und wurde Abgeordneter des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, einer Vorgängerorganisation der SPD. Im gleichen Jahr durchschwamm er in 6 ½ Stunden den Bodensee von Romanshorn nach Friedrichshafen.

1870 setzte er sich vehement gegen die Re-Annexion von Elsass-Lothringen ein. Ab Oktober 1878 verbüßte er eine 14-monatige Haftstrafe im Zuchthaus Heilbronn wegen "Vergehens gegen die öffentliche Ordnung und Religionsschmähung".

Am 2. April 1882 gründete er die erste deutsche Freidenkergemeinde. Er starb vor 120 Jahren, am 29. Oktober 1884 an einem Herzschlag im Zug am Stuttgarter Bahnhof. Die Beerdigung am 2. November war eine sozialistische Massendemonstration mit mehreren zehntausend Teilnehmern.

Dulk wurde nach seinem Tod mehrmals geehrt:1885 wurde eine von Arbeitern gestiftete Büste am Dulkhäusle bei Esslingen enthüllt und im Jahr 2002 wurde in Stuttgart-Untertürkheim eine Straße nach ihm benannt.

"Arbeiter! Ich habe mit aller Hingebung versucht, für die sociale Frage Eure Aufmerksamkeit zu gewinnen, ich wollte dazu beitragen, daß die Entscheidung dieser Frage, nicht wie in Frankreich der Phantasie der Philosophen und dem Nothschrei der Verhungernden überlassen werde - doch ich schreibe umsonst. Alles wird verzehrt durch die Beschäftigung mit politischen Angelegenheiten, die ein Kinderspiel erscheinen gegen das, was kommen wird."

Ja, die Jugend ist die Zeit
Menschlicher Vollkommenheit!
Nur dem frischen Jugenmuthe
Liegt das Gute noch im Blute.
Offenheit und grader Sinn
Sind der Jugend Frohgewinn.
Nicht ums Ich dreht sich ihr Leben
Hohem Ziele gilt ihr Streben;
Allen Idealen offen
Lebt vom Nektar sie - vom Hoffen.


Albert Dulk

Trinklied

Ihr nennt mich einen Trinker,
Als wär ich nur ein Schlauch,
Der grundlos immer trinket
und ohne Gründe auch.

Doch ihr seid böse Zungen:
Ich weiß wohl, was ich tu'
So oft ich trinke hab ich
Auch einen Grund dazu.

Aus Frömmigkeit für's erste
Lass ich den Wein nicht steh'n:
Denn Wein ist Gottesgabe,
Wer dürfte ihn verschmäh'n?

Ich trink sodann, weil nüchtern
Der beste Mensch ein Tropf;
Doch kaum hab ich getrunken,
So hab ich was im Kopf.

Dann trink ich auch, weil Mitleid
Mein Rechtsgefühl erhitzt,
Dass schuldlos in dem Fasse
Der Wein gefangen sitzt.

Aus Wahrheitsliebe endlich,
Da leer ich manches Glas,
gedenk des alten Spruches:
IN VINO VERITAS.

Drum schweigt, ihr bösen Zungen,
Euch trügt ein falscher Schein;
Stets hab ich Grund zu trinken -
Doch ach, nicht immer Wein.

Der nur ist ein weiser Mann,
der heut leben, heut sterben kann.

 

 

veröffentlicht in der GABL-Postille vom November  2004

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