Dezember 2004

In einer Strategie-Tagung berät der Gemeinderat die Stadtplanung bis zum Jahr 2020: 

Wie und wohin soll sich die Stadt in den nächsten fünfzehn Jahren entwickeln?

von Eberhard Schmalzried

Ziemlich "großspurig" wurde die Meinungsfindung für die Stadtentwicklung angekündigt; eine regelrechte Inszenierung sollte in Gang gesetzt werden; Impulse der inneren Stadtentwicklung wurden angekündigt. Die Rede war von einem dynamischem Stadtumbau. Die Stadt sollte fertig gebaut, Begabungen sollten herausgestellt, Potentiale konzentriert werden. Die Kernstadt sollte über wichtige Verkehrsachsen und über die Ausbildung von Fuß- und Radwegen mit den Außenbereichen vernetzt werden, die historischen Siedlungskerne sollten im Erscheinungsbild und in ihrer Funktion als Handelspunkte gestärkt und die Stadtmitte am Neuköllner Platz aufgewertet und inszeniert werden.
Und was bleibt übrig? In der jetzigen Phase ist von all den guten Vorsätzen herzlich wenig zu sehen.

Zunächst wurde eine 3-phasige Bürgerbeteiligung eingeleitet, auch die Leonberger Gruppierungen und Vereine kamen zu Wort. Dabei flossen konstruktive Anregungen in die Diskussion ein: Viele Bürgerinnen und Bürger forderten eine Weiterentwicklung in den Innenbereichen der Stadt und eine möglichst schonende Inanspruchnahme von Flächen auf der grünen Wiese: "Innen vor Außen" hieß die Parole, die Entwicklung von Bestehendem sollte Vorrang haben vor dem Wachstum nach außen. Die Verkehrsprobleme sollten in die Stadtentwicklungsplanung integriert werden und der modal split, also die Alternativen zum motorisierten Individualverkehr MIV, nämlich der ÖPNV und der Ausbau von Rad- und Fußwegen sollten weiter entwickelt werden.

Nun bietet man dem Gemeinderat neben einigen Vorschlägen zur Entwicklung der Innenstadt eine Reihe von Erweiterungsgebieten in den Außenbereichen an. Potentiale im Inneren werden dagegen "klein" geredet. Das "integrierte Verkehrskonzept" besteht im Kern aus dem Vorschlag, die Feuerbacher Straße, die Sonnenkreuzung und die Grabenstraße zu untertunneln, ein Projekt, das unsere Probleme nicht löst und das in den nächsten dreißig Jahren wegen der knappen Kassen wohl kaum verwirklicht wird. Von besseren Fuß- und Radwegeverbindungen oder einer Optimierung des ÖPNV ist nirgends mehr die Rede.

Schade! Für uns von der GABL gelten immer noch die ursprünglich formulierten und beschlossenen Kriterien zur Entwicklung der Stadt. Wir wollen eine Stadt mit hoher Wohn- und Lebensqualität, mit kurzen Wegen, guter Luft mit einem attraktiven Umfeld für die Naherholung - eine Stadt, in der der motorisierte Individualverkehr nur eine von verschiedenen Möglichkeiten der Mobilität ist, eine Stadt, in der Bürgerinnen und Bürger, Schülerinnen und Schüler sich ohne Gefährdung für Leib und Leben auch mit dem Rad oder zu Fuß bewegen können.

 

veröffentlicht in der GABL-Postille vom Dezember  2004

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