Dezember 2004

Sekt statt Selters zum Neuen Jahr...

Wir stoßen heute mit Ihnen an! Wir feiern, dass es in unserem Land endlich gelungen ist, die Kapitalgesellschaften um 78 Milliarden €uro Ertragssteuern seit 2000 zu entlasten! Das unverdächtige "Handelsblatt" freute sich bereits 2001: "Im internationalen Vergleich ist Deutschland eine Steueroase. Kapitalgesellschaften leisten mittlerweile überhaupt keinen Beitrag mehr zur Staatsfinanzierung."
Wir wollten es damals einfach nicht glauben und warteten noch ab. Aber heute gibt es kaum einen Wochentag, ob montags oder samstags, an dem wir nicht feiern könnten. So sollen mit der Senkung des Spitzensteuersatzes zum 1.1.2005 die Spitzenverdiener um weitere 4 Milliarden €uro entlastet werden. Ist das Nichts? Denken Sie einmal an die aufopferungsvoll arbeitende Bundesregierung und "Opposition" von CDU/CSU und FDP, die durch Hartz IV eben jene Milliarden wieder zurück gewinnen will. Das geht natürlich nur durch eine gerechte Umverteilung von unten nach oben!
Zum Anstoßen sind auch die "radikalsten" Steuervereinfachungsmodelle der Herren Merz, Kirchhof, Solms und Stoiber, die für die Spitzenverdiener noch weitere Umverteilungen von unten nach oben vorsehen...

Lassen wir uns die Sektlaune nicht durch Neidhammel und Moralapostel verderben, die es in der Menschheitsgeschichte immer gegeben hat. Uns braucht es nicht zu kümmern, dass bereits vor 2300 Jahren ein griechischer Philosoph namens Platon das Verhältnis zwischen dem Vermögen der Reichen und dem Einkommen der Armen auf 4:l beschränken wollte. Anderenfalls befürchtete er die Spaltung der Gesellschaft und soziale Unruhen.
Platon in Ehren - doch wir haben ihn erfolgreich widerlegt: Es ist gelungen, einen hundertfachen Unterschied zwischen arm und reich zu schaffen, ohne die Gesellschaft zu spalten - bzw. ohne dass sie es merkt. Wenn das kein Anlass ist für ein Gläschen Sekt am Neujahrstag!

Die wenigen, die diesen Fortschritt - (wir nennen es gerne auch "Reform") - in der Spaltung unserer Gesellschaft bemerkt haben, seien gewarnt: "Das Kapital ist ein scheues Reh"... Denken Sie an das andere Zauberwort: "Globalisierung": Woanders sind die Arbeitsplätze noch billiger... Das ist natürlich keine Erpressung, nur ein kleiner Tipp. Die Steueroasen - praktisch vor der Haustür - sind ja schon mit kleineren Jets zu erreichen...
Na denn: Prösterchen!

entnommen aus einem Flugblatt der attac-Gruppe Schwäbisch Hall

 

veröffentlicht in der GABL-Postille vom Dezember  2004

zum Inhaltsverzeichnis der GABL-Postillen