Januar 2005

Müssen an der Glems und den Seitentälern wirklich 1600 Bäume gefällt werden?

von Ewald Thoma

Im letzten Winter stürzten bei einem Sturm mit Windstärke 9 zwei Bäume im Höfinger Täle um. Ein Baum fiel dabei auf ein Auto, der andere auf ein Gebäude. Die Versicherung hat den Schaden reguliert. Dieses Ereignis hat nun die Stadtverwaltung veranlasst, rund 20.000 Bäume auf Leonberger Gemarkung am Rand von Bächen und Seen vom Leonberger Baubetriebshof und externen Sachverständigen überprüfen zu lassen. Klar, dass bei dieser typischen Leonberger Vorgehensweise herauskam, dass ca. 3000 Bäume 'gepflegt' werden müssen, 1600 davon sogar gefällt. Kosten für die Stadt: 300.000 Euro. In einer Zeit, in der der Stadt die Zwangsverwaltung droht, ein hübsches Sümmchen.

Viele dieser Bäume stehen als Sicht- und Lärmschutz zwischen der Bahnlinie und der Gartenstadt. Viele davon sind weder krank noch bedrohen sie irgendeinen Weg oder eine Straße. So sind z.B. viele Bäume auf dem Hang zwischen der Glemsbrücke hinter dem Bahnhof und der Gebersheimer Straße markiert. Dorthin verirrt sich kaum jemand - schließlich muss er entweder an einer Furt durch die Glems waten oder unwegsam durch steiles Gelände absteigen um überhaupt dort hin zu kommen. Dabei ist die Rechtslage klar: Eine Verkehrssicherheitspflicht besteht nur, wenn nachgewiesen wird, dass ein Baum erkennbar krank war. Wenn ein gesunder Baum bei Sturm umfällt, kann niemand haftbar gemacht werden.

Da kann man nur sagen: Deutschland und seine heute manchmal fragwürdigen Pflichten. Das Glemstal ist nicht zuletzt deshalb ein beliebtes Leonberger Naherholungsgebiet, weil man hier das Gefühl hat, dass die Natur noch weitgehend sich selbst überlassen ist. Natur ist nicht immer berechenbar und bei Windstärke 8 oder 9 kann überall ein Baum umfallen, ein Dach abgedeckt werden oder etwas durch die Luft fliegen.

Wir müssen einfach wieder lernen mit der Natur zu leben und uns entsprechend zu verhalten. Natürlich gibt es auch an der Glems besonders frequentierte Wege, bei denen gewisse Vorsichtsmaßnahmen sicher sinnvoll sind. Aber man muss es nicht übertreiben und so wäre es jetzt an der Zeit, dass unsere Verwaltung etwas mehr Courage an den Tag legt und ihre Pflichten neu definiert - vieles ist hier oft auch eine Frage der Auslegung. Eine Fachfirma für Baumpflege, die die Gehölze entlang der Glems und ihrer Zuflüsse in Augenschein genommen hat, hat sicher auch ihre eigenen Interessen: möglichst viele Bäume - möglichst viel Gewinn!

Und übrigens: Inzwischen gab's bei uns schon wieder 2 Stürme mit Windstärke 8 bis 9. Nicht ein einziger der an der Glems markierten Bäume ist geschädigt oder gar umgefallen.

 

 
Blick von der Bahnhofsseite auf die Fußgängerbrücke in Richtung Gartenstadt.
 
Die mit einem Kreuz markierten Bäume sollen gefällt werden. Diese Bäume sind ein wichtiger Lärm- und Sichtschutz zum Bahnhof. Sie stellen keine Gefahr für die Fußgänger dar, sogar wenn sie umfallen sollten (was sehr unwahrscheinlich ist), da sie mehrere Meter unterhalb der Brücke stehen und vom Geländer abgefangen würden.
 
Der Pfeil deutet an, dass in der angegebenen Richtung weit ab von Weg zahlreiche weitere Bäume gefällt werden sollen.

 

 

 

 

 

 

Die GABL hat im Gemeinderat die wilde, blindwütige Baumfällerei abgelehnt.

Unser Vorschlag: Die Stadt lässt nur die Bäume fällen, die erkennbar krank oder beschädigt sind und die beim Umstürzen einen Weg oder eine Straße bedrohen. Damit können 250.000 €uro eingespart werden, ein Betrag, der dem arg gezausten Stadtsäckel wahrlich gut tun würde.

 

 

 

veröffentlicht in der GABL-Postille vom Januar 2005

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