Januar 2005

Wer in der Kinder- und Jugendarbeit spart, verschiebt Probleme und Kosten in die Zukunft

von Birgit Widmaier

Stadtverwaltung und Gemeinderat in Leonberg erwägen, die Sozialarbeit mit Kindern und Jugendlichen drastisch einzuschränken. "Kein Geld da!" ist die stereotype Antwort auf die Frage nach dem Warum. Doch solche "Sparmaßnahmen" können teuer werden.......

In der letzten Gemeinderatssitzung wurde bei den Trägern der Jugendhilfe (Arbeiterwohlfahrt, Waldhaus GmbH, Jugendhaus Leonberg e.V.) 5% gekürzt. Anträge auf Kürzungen von 10% (FWV) und 20% (CDU) wurden zuvor abgelehnt. Bis Mitte des Jahres soll auf Antrag der SPD ein Konzept vorgelegt werden mit Kürzungen bis zu 20%. Dies hätte massive Einschnitte zur Folge, pädagogische Mitarbeiter müssten entlassen werden. 

Wir meinen, dass in diesem Bereich nicht gekürzt werden darf:

Die Gesellschaft verändert sich rasant. Die Auswirkungen wie Arbeitslosigkeit, Überforderung der Familien und Schulen, ungenügende Zeit für Kinder und Jugendliche sind überall zu spüren. Daher brauchen Kinder und Jugendliche neben Elternhaus und Schule verlässliche Ansprechpartner und Angebote.

Ein Abbau von präventiven Angeboten in der Jugendhilfe wird auf jeden Fall höhere Folgekosten nach sich ziehen. So kostet beispielsweise ein Heimplatz ca. 33.000,-- €uro pro Jahr und Kind bzw. Jugendlichen. D.h. jeder Cent der bei der präventiven Jugendarbeit gespart wird, kostet uns das zwei- bis dreifache an einer höheren Kreisumlage.

Auch ohne PISA stand schon bisher fest: Bildung findet nicht nur in der Schule statt. Kompetenzen werden auch außerhalb der Schule in Einrichtungen der Jugendarbeit erworben.

An zwei Schulen in Leonberg soll für die jeweils 6. Klasse eine Ganztagesbetreuung an drei Nachmittagen eingeführt werden. Sinnvoll und wichtig, aber was ist mit den anderen SchülerInnen? Was ist mit denen, die gar nicht mehr zur Schule gehen? Hier sind die Angebote der Jugendarbeit wichtig.

Leonberg will kinder- und jugendfreundlich sein. Aber offensichtlich wird jetzt hier, wo keine Lobby dahinter steht versucht ein Exempel der Sparpolitik zu statuieren, ohne sich über die Folgen für Leonberg im klaren zu sein.

Übrigens: Die Gemeinde Filderstadt setzt die richtigen Prioritäten: "Die Schulsozialarbeit ist so wichtig, dass wir sie trotz der schwierigen Haushaltslage nun selbst schultern müssen", so Filderstadts Oberbürgermeister Peter Blümlein

 

veröffentlicht in der GABL-Postille vom Januar 2005

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