April 2005

Werden jetzt die Kirschgärten zur Überbrückung eines Haushaltloches geopfert?

von Eberhard Schmalzried

Kennen Sie die "Kirschgärten"? Gerade in diesen Tagen lohnt sich ein Spaziergang in das schöne Naherholungsgebiet vor den Toren unserer Stadt. Gehen Sie die Untere Burghalde hinauf, vorbei an der Omnibushaltestelle "Golfplatz" und biegen nach der Fußgängerampel rechts ein in den August-Lämmle-Weg. Nach wenigen Schritten sehen Sie linker Hand eine idyllische Wiese mit blühenden Kirschbäumen, die "Kirschgärten".

Auf die Vermarktung dieses Gelände richtet sich die Begierde der Mehrheit des Leonberger Gemeinderats. Nach ihrem Willen soll die schöne Immobilie demnächst überplant und bebaut werden. Nicht etwa, weil in der Stadt ein großer Wohnungsmangel herrscht, Gott behüte, in Leonberg stehen ja Dutzende von Wohnungen leer. Auch nicht aus städtebaulichen Gründen, etwa zur Abrundung des Stadtrands oder zur Schaffung eines ansehnlichen Eingangsbildes bei der Anfahrt von Stuttgart her. Der alte Golfplatz bildet ein repräsentatives Eingangsportal.

Nein, die Kirschgärten gehören ja der Stadt Leonberg und da die Stadtkasse leer ist, hat die Überplanung und Bebauung der Kirschgärten nur den einzigen Sinn und Zweck, die Kasse zu füllen. Der erhoffte Erlös von etwa drei Millionen €uro wird dem Stadtkämmerer zwar im Jahr 2006 kurzfristig helfen, eine Lücke im städtischen Haushalt auszugleichen. Aber auch im nächsten Jahr stellt sich die Haushaltslage nicht besser dar, doch dann sind die "Kirschgärten" weg, verkauft, versilbert, verscherbelt - unwiederbringlich.

Und als ob sich der Gemeinderat seines Vorgehens schäme, hat er sich nicht einmal dazu aufschwingen können, einen ordentlichen Beschluss zum Verkauf dieses Filet-Baustücks zu fassen. Am 22. März 2005 beschloss er mit knapper Mehrheit lediglich, dass Pläne zur Bebauung der Kirschgärten ausgearbeitet werden sollen. Wenn der Gemeinderat die Kirschgärten nicht bebauen wolle, so Oberbürgermeister Schuler, dann könne er ja die schönen neuen Pläne ablehnen. Einen förmlichen Beschluss zur Bebauung brauche es also nicht.

Jetzt witterten auch die "Bauleute" im Gemeinderat Morgenluft. Ordentliche Baupläne könnten auch Büros in Leonberg zuwege bringen, riefen sie in den Saal, warum denn in die Ferne schweifen. Leonberger Firmen müssten vorrangig beauftragt werden, waren sich die Architekten, Malermeister und Installateure einig, denn sie zahlten hier ja schließlich auch ihre Steuern. Und als jemand im Gremium Einwände erhob, wurde verdächtigt, er mache pauschal die Leonberger Handwerkerschaft schlecht... Na so was.

Sie wollen verhindern, dass die "Kirschgärten" überbaut werden? Wehren Sie sich! Schreiben Sie Leserbriefe! Rufen Sie die Entscheidungsträger an! Stellen Sie Plakate auf! Reden Sie mit Ihren Nachbarn! Es lohnt sich.

Vorsicht Satire

PST! Schon gehört? Es gibt Gerüchte, dass die Hauptsatzung des Gemeinderats geändert werden soll! Die künftige Fassung lautet:

  1. Der Leonberger Gemeinderat hat sich die Förderung der ansässigen Bauwirtschaft zum Ziel gesetzt. Jedes Baugesuch wird künftig ungeprüft genehmigt, ein Beschluss des Gemeinderats über neue Baugebiete entfällt.

  2. Die Vergabe von öffentlichen Planungsaufträgen erfolgt ohne Aussprache in nichtöffentlicher Sitzung. Die Anwesenheit und Mitwirkung der heimischen Bauwirtschaft ist dabei ausdrücklich erwünscht.

  3.  Der störende Befangenheitsvorbehalt wird außer Kraft gesetzt, der entsprechende Artikel aus der alten Hauptsatzung ersatzlos gestrichen.

  4. Alle öffentlichen Aufträge werden grundsätzlich an Leonberger Firmen vergeben. Die Vergabe ist im einzelnen wie folgt geregelt: Planungsaufträge gehen an Architekturbüros mit den Anfangsbuchstaben "L" und "S", Maleraufträge gehen an Firmen mit dem Anfangsbuchstaben "B", Vergaben im Sanitärbereich an Firmen mit den Anfangsbuchstaben "SCH".

  5. Sollte eine auswärtige Firma günstiger anbieten, tritt automatisch Artikel 4 in Kraft.

 

veröffentlicht in der GABL-Postille vom April 2005

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